„Man muss ein Gefühl für den Gast haben“

STUTTGART. Simon Oberhofer (Restaurantleiter Hotel Castel in Südtirol) hat im Jahr 2013 den Preis für Große Gastlichkeit gewonnen. Im Gespräch mit der AHGZ, die auch in der Jury dieses Service-Wettbewerbs der Vereinigung L’Art de Vivre ist, spricht der Restaurantleiter über seine Erfahrungen mit dem Wettbewerb und seine Liebe zum Beruf. Die Bewerbung für den jährlich stattfindenden Wettkampf für Restaurantfachleute bis 35 Jahre hat begonnen. Anmeldeschluss ist der 31. Juli 2015.

Herr Oberhofer, Sie haben vor zwei Jahren den Preis für Große Gastlichkeit der Vereinigung L’Art de Vivre gewonnen. Das ist einer der wenigen Preise für Fachkräfte aus dem Service. Wie haben Sie die Veranstaltung in Erinnerung?

Oberhofer: Es war ein großartiges und spannendes Erlebnis. Und ich fand es toll, die Möglichkeit zu bekommen mich mit anderen Berufskollegen aus dem deutschsprachigen Raum zu messen. Der Wettbewerb war sehr gut organisiert und auch anspruchsvoll. Da sich wirklich alle auf sehr hohem Niveau bewegen, war das Erreichen des Finales natürlich eine Bestätigung für das eigene Können und Wissen. Letztlich dann noch das Finale zu gewinnen, war eine besonders große Freude und für mich auch ein wenig überraschend. Wegen der starken Konkurrenz hatte ich nicht damit gerechnet.

Inwieweit haben Sie von diesem Erfolg profitiert?

Oberhofer: Der Wettbewerb war eine sehr gute Erfahrung, ich habe viele neue interessante Kolleginnen und Kollegen kennengelernt. Durch den Austausch mit anderen Führungskräften konnte ich einige neue Ideen für den eigenen Betrieb mitnehmen. Natürlich hat dieser Sieg auch meinen Bekanntheitsgrad und den des Hotel Castel als qualitativ hochwertigen Betrieb gesteigert. Die Folge war, dass wir einige gute Bewerbungen von Nachwuchskräften erhalten haben.

Sie sind mittlerweile schon ein erfahrener Gastgeber. Was macht Ihrer Meinung nach den Beruf aus?

Oberhofer: Gute Menschenkenntnis und ein Gefühl für den Gast zu haben beziehungsweise zu entwickeln, spielen eine sehr große Rolle. Zudem ist es wichtig authentisch zu bleiben, nur so kann man dem Gast Persönlichkeit und ein gutes Gefühl vermitteln. Freundlichkeit, Herzlichkeit und Perfektion sind wichtige Eigenschaften in unserem Beruf. Mitarbeiter jeden Tag aufs Neue zu motivieren und den guten, also richtigen Umgang untereinander, aber auch mit dem Gast zu vermitteln, stellen weitere Herausforderungen dar.

Hat sich der Gastronomie-Service in den vergangenen Jahren verändert?

Oberhofer: Ja, der Service hat sich sehr verändert. Die klassischen Arbeiten am Tisch des Gastes wie das Tranchieren, Filetieren oder Flambieren, das vor Jahren noch wichtig war, werden nur mehr selten praktiziert. Zudem sind die Anforderungen an das Servicepersonal heute besonders hoch und vielfältiger als früher. Gäste wertschätzen es immer mehr, wenn das Personal menschlich agiert, Herzlichkeit und Wärme ausstrahlt. Deutlich mehr als früher ist das Servicepersonal auch in Bezug auf Wissen und persönliche Kenntnisse gefordert, da heute jeder vieles direkt über sein Smartphone im Internet nachsehen kann. Zum Beispiel, wenn es um Informationen zu einem bestimmten Wein geht.

Was ist die größte Herausforderung im Servicealltag?

Oberhofer: Herausforderungen gibt es viele im Servicealltag, das ist ja das Schöne daran. Sich jeden Tag aufs Neue auf jeden Gast individuell einzustellen, alle Wünsche ernst zu nehmen, Kundenwünsche zu erkennen und bestmöglich zu erfüllen und auch mit sehr eigenwilligen Gästen professionell umzugehen, ist eine der größten Herausforderungen. Wichtig ist zudem, immer auf dem neuesten Stand zu sein. Denn in Bezug auf Wissen ist der Service in einer digitalen Welt mehr denn je gefordert. Mitarbeiter, mehr und mehr verschiedener Nationalitäten und somit Mentalitäten, zusammenzuhalten und zu motivieren, damit sie sich als gutes Team gemeinsam und freudig um die Gäste kümmern ist essentiell. Denn der Gast spürt sofort, wenn das Klima nicht passt. Eine weitere Herausforderung in der Gastronomie ist meiner Meinung auch die große Mitarbeiterfluktuation.

Was macht am meisten Spaß?

Oberhofer: Jeder Tag hält Überraschungen bereit. Man weiß nie was einen erwartet, ständig neue Herausforderungen, neue Menschen kennenlernen, Gäste zum Lachen zu bringen, die man vorher vielleicht noch nie lachen gesehen hat, das ist das Tolle an meinem Beruf.

Würden Sie einem jungen Service-Kollegen die Teilnahme am Wettbewerb Preis für Große Gastlichkeit empfehlen?

Oberhofer: Auf jeden Fall. Im Servicebereich gibt es nur wenige Wettbewerbe dieser Art und dieser ist sehr anspruchsvoll und gut organisiert. Man bekommt die Möglichkeit sich mit Berufskollegen zu messen und sein eigenes Können und Wissen unter Beweis zu stellen. Auch der Austausch mit Gleichgesinnten ist sehr interessant. Es ist wirklich eine tolle Erfahrung die ich jedem empfehlen kann.

Die Fragen stellte Bernhard Eck

Veröffentlicht am 27.05.2015 online unter www.ahgz.de. Der Beitrag erscheint in der Printausgabe der AHGZ am 30.05.2015

Mehr zum Wettbewerb 2015 auch unter: https://www.facebook.com/gourmetresidenzen?ref=hl

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